VW The Beetle – Majorette oder SIKU?

V-Majorette-Siku-BeetleEines der wohl kultigsten und ebenso ulkigsten Fahrzeug im aktuellen SIKU-Programm ist zweifellos der VW Beetle der zweiten Generation (1417). Aber auch ein anderer Spielzeug-hersteller hat diesen Typ in seinem Portfolio: Majorette.

Schon beim ersten Blick fällt ins Auge, dass die Version von Majorette (stets links im Bild) deutlich kleiner ist, als die lüdenscheider Version. Während das SIKU-Modell etwa im Maßstab 1:55 gehalten ist, kommt die kleinere Interpretation nach eigenen Angaben von Majorette auf die Baugröße 1:60. Zusammengehalten wird das Modell von SIKU durch zwei Niete, während man bei Majorette nur vorne eine Nietung findet. Im Heckbereich hingegen wurde die Bodenplatte als Nummernschild in die Stoßstange eingeschoben und sorgt so für Halt.

V-Majorette-Siku-Beetle-2Wenden uns wir zuerst den Proportionen und der Linienführung der beiden Modelle zu. Wie es besonders in der Seitenprofilansicht auffällt hat das Modell von Majorette deutlich mehr Bodenfreiheit als SIKUs Version. Diese große Bodenfreiheit führt zwar zu einer besseren Agilität in Kinderhänden, entspricht aber nicht dem Vorbild. Der Einheitsbereifung entsprechend sind jedoch besonders beim SIKU-Modell die Räder deutlich kleiner, als beim Original.

Mit der Stupsnäsigkeit scheint Majorette den Vorderwagen etwas besser getroffen zu haben. Bei den Linien des Daches jedoch hat eindeutig SIKU die Nase vorne. So ist bei diesem Modell, welches ein vorbildkonform abgeflachtes Dach aufweist, noch deutlich das Abknicken zwischen A-Säule und Dachlinie zu erkennen, wohingegen bei Majorette dieses mit der Rundung des insgesamt im Vergleich zum Original zu runden Daches verschwimmt, weshalb auch die Windschutzscheibe bei Majorette zu niedrig ist.
An letzterem ist aber auch die allgemein bei Majorette schlechte Anpassung der Verglasung an die Karosserie und die recht hohen Wandstärken des Zinkdruckgusses beteiligt. Zu beobachten ist das auch an den in Relation zu SIKU sehr dicken Rahmen der Frontscheibe.

Interessant ist jeweils die Realisierung der B-Säulen. Im Original befinden sich diese hinter den Schieben im Innenraum, und auch durch ihre schwarze Färbung sind sie nur sehr unscheinbar – aber vorhanden. So hat man sich bei Majorette entschieden, sie ganz wegzulassen, um die glatte Scheibenflächen zu wahren, wohingegen man bei SIKU die B-Säule klassisch in die Gussform integriert hat. Dementsprechend wirken bei SIKU auch die hinteren Seitenscheiben ziemlich klein.

V-Majorette-Siku-Beetle-5Wenn wir uns nun dem Heckbereich zuwenden, fällt auf, dass die Version von Majorette etwas aufgeblasen wirkt. Auch scheint das gesamt Heck zu flach, weshalb die, wie auch schon die Frontscheibe, zu kleine Heckscheibe, aber auch die Rücklichter und das VW-Logo regelrecht in die Luft schauen. Dies hat man bei SIKU mit den merkbar steileren Linien deutlich besser hinbekommen. Auch die Scheibe hat bei SIKU eine wohl proportionierte und realistische Größe.

Die Heckpartie ist zu dem aber auch ein guter Punkt, um zu dem Details zu wechseln. So verzichtete man bei SIKU im Gegensatz zu Majorette auf die Nachbildung der oberen Kante des Kofferraums, sowie auf die Antenne. Auffälligerweise wurden die Rücklichter bei Majorette aber nur aufgedruckt, wohingegen sie bei SIKU einzeln eingesetzt sind. Auf der anderen Seite jedoch hat man bei SIKU auf die Bedruckung sämtlicher anderer Leuchteinheiten am Heck verzichtet.
Während beide Modelle vorbildgerecht das Logo auf der Motorhaube einfarbig aufgedruckt haben, spiegelt nur die Version aus Lüdenscheid das im Original schwarz eingefasste Logo am Heck durch einen Zweifarbdruck originalgetreu wider. Bei der gezeigten schwarzen Version von Majorette wäre diese schwarze Einfassung zwar sowieso kaum sichtbar, aber auch der bereits erhältlichen weißen Version von Majorette wurde nur ein einfarbiges Heck-Logo vergönnt. Auch wirken bei SIKU die VW-Embleme feiner gestaltet.

V-Majorette-Siku-Beetle-4Was bei beiden Versionen in der entsprechenden Wagenfarbe (also bei der schwarzen Version von Majorette nicht) schwarz abgesetzt ist, ist der vordere Lufteinlass.
Die Scheinwerfer beider Modelle wurden lobenswerterweise von innen montiert. Um bei der Front zu bleiben, wurden bei SIKU einige kleine Details, wie die Nummernschildplatte, in die Form integriert, bei Majorette findet man diese Details nicht. Bei der silbernen Seitenleiste war man bei Sieper jedoch etwas sparsamer, hier ist diese nämlich nicht bedruckt, bei Majorette schon.

Die Seitenspiegel wurden bei Majorette an den A-Säulen montiert, bei SIKU an den Türen. Nur letzteres entspricht jedoch dem Vorbild. Auch ist es SIKU gelungen die Form der Originalspiegel dem Maßstab entsprechend gut zu imitieren, wohingegen sie bei Majorette ziemlich unförmig sind. Der Innenspiegel fehlt bei Majorette sogar ganz, wohingegen er bei SIKU durch die Verglasung angedeutet ist. Modellbaukunst hat man bei Sieper auch anhand der Scheibenwischer beweisen, welche vorbildlich sehr tief liegen. Bei Majorette ist dies nur annähernd so gelungen.

V-Majorette-Siku-Beetle-3Kommen wir nun zu den Türen. Die ziemlich flach wirkenden Seitentüren von Majorette besitzen ein Federgelenk, sie springen also jeweils auf und zu. SIKU dagegen hat ein gewöhnliches Gelenk verwendet, was allein durch Reibung seine Position halten kann, aber dafür auch in jeder beliebigen Position darstellbar ist. Auf langer Sicht könnte hoher Verschleiß beim SIKU-Modell dazu führen, dass die Türen locker werden und nicht mehr in ihrer Position verharren könnten. Dies muss sich jedoch erst durch Zeit und fleißige Kinderhände herausstellen. Im Neuzustand jedenfalls ist der Mechanismus steif genug, dass man ein Ausleihern in absehbarer Zeit nicht fürchten muss.

Beim Öffnen der Türen jedoch kommt etwas Interessantes zum Vorschein. Wie man es teilweise auch von älteren SIKU-Modellen noch kennt, sind die Berührungsflächen zwischen Tür und Karosserie bei Majorette sehr schlecht lackiert; in diesem Fall könnte man sogar sagen, gar nicht lackiert. Bei SIKUs Version hingegen ist auch dort der Lack ordentlich und deckend aufgebracht. Zwar ist dies in meinen Augen kein gravierender Minuspunkt, zeugt aber doch von gewisser Nachlässigkeit bei der Produktion.

Kommen wir nun zu den Rädern. Bei Majorette finden klassisch einteilige, undurchbrochene Räder ihre Verwendung, bei denen die Felge durch eine Verchromung dargestellt ist. Die SIKU-Räder hingegen sind zweiteilig, ihre Reifen sind tatsächlich aus gummiartigem Material und die grau-glänzenden Felgen sind durchbrochen. Was beide Radtypen eint, ist die sichtbare Achse. Entsprechend ihrer Konstruktion rollen beiden Modelle schön frei. Aber gerade auf glatten Flächen zeigen die richtigen Reifen beim SIKU-Modell ihre Wirkung, denn selbst auf Glasscheiben in der Vitrine rollt Siepers Variante noch problemlos, während der Beetle von Majorette regelmäßig blockiert.

Abschließend seien noch ein paar Fakten erwähnt. Im Moment liegt die unverbindliche Preisempfehlung für den Beetle von SIKU bei 4,49€, wohingegen man das Majorette-Modell für unter 2€ bekommen kann. Jedoch seinen auch die Produktionsstandorte erwähnt. Während das SIKU-Modell auch „nur noch“ in China gefertigt wird, befindet sich die Produktionsstätte von Majorette gar in Taiwan.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass beide Modelle optisch, wie auch qualitativ einen guten Eindruck machen. Das Modell von SIKU ist jedoch merklich besser verarbeitet. Auch ist es SIKU erheblich besser gelungen, die Proportionen und Formen des Beetle einzufangen. In puncto Details hat die Version von Majorette unterm Strich mehr zu bieten, wiederum hat man aber bei SIKU die einzelnen Details hochwertiger und feiner herausgearbeitet. Auch empfinde ich die Bespielbarkeit des SIKU-Modells durch seine gummierten Räder erheblich besser. Für all dies muss man aber auch über das doppelte ausgeben, um das lüdenscheider Modell zu erhalten. So möchte ich behaupten, dass tatsächlich beide Modelle ihr Geld wert sind. Welches man nun bevorzugt hängt sicherlich nicht zuletzt auch vom persönlichen Geschmack ab. Aber für alle Käfer- und Beetle-Enthusiasten unter uns ist eines sowieso klar – man braucht beide. 😉